Dr. Hauschka

Rose

Synonyme: Buttelhiefen, Dornrose, Feldrose, Hagebutten, Hagedorn, Hagehotten, Hagehüften, Hagehüttchen, Hagerose, Hahnebödgen, Hahneklöschen, Hainhecken, Hanbutbutten, Haynbutten, Heckenrose, Hetschepetsch, Hiefen, Hornrose, Hüfften, Hundrose, Hundsdorn, Rosendorn, Schlafkauz, Schlafkunz, Wiegenstrauch, Wiepken, Wipen, Wirgen, Zaunrose
Wissenschaftlicher Name: Rosa ssp.
Familie: Rosaceae (Rosengewächse)

Heimat

Die Wildformen der Rose stammen aus dem Orient und haben sich vermutlich von Persien und Babylonien über Ägypten nach Griechenland und Italien verbreitet.

Inhaltsstoffe

In Rosenöl werden mehr als 400 Einzelkomponenten gefunden. Rosenblüten enthalten unter anderem ätherisches Öl, Gerbstoff, Lipide, Wachs und Harz.

Beschreibung

Welches Bild erscheint einem vor Augen, wenn man an die Rose denkt? Sicherlich zuvorderst das der Edelrose, der galanten, vornehm schlanken mit ihrer vielblättrigen Blüte, die ihr Inneres geheimnisvoll vor dem Betrachter verschließt. Die Farbe der Blüten, ihre Form, ihr Wuchs: Unüberschaubar viele Rosenzüchtungen scheint es zu geben. Und in der Tat beläuft sich ihre Zahl auf 20.000! Über dieser Flut vergisst man allzu leicht ihre viel älteren, ursprünglicheren Schwestern, die Heckenrosen, deren Blüten schlicht sind, die uns weit ihr Blütenherz öffnen und reich mit Duft und Hagebutten beschenken. Die Kraft für ihren Blütenreichtum ziehen sie aus der tiefgründigen Wurzel, die sich fest mit der Erde verbindet. Diese Vitalität hat die Edelrose verloren, die deshalb immer auf den Wurzelstock einer Heckenrose aufgepfropft wird.

Erstaunliche Details gibt es an der Rose zu entdecken: So hat jedes Blatt der fünfteilig aufgebauten Blüte seine eigene Form. Und selbst die fünf kleinen grünen Kelchblätter unterscheiden sich voneinander.

Verwendung

Rosenblüten haben wegen ihres Gerbstoffgehalts eine zusammenziehende Wirkung und wurden früher als Aufguss bei Durchfällen eingesetzt. Äusserlich fanden Zubereitungen als Mund- und Gurgelwasser Verwendung. Im Orient werden Rosenöl und Rosenwasser bei krampfartigen Magenbeschwerden und Leber-Galle-Koliken eingenommen.

Äusserlich werden Rosenzubereitungen bei Brustdrüsenentzündungen, Soor, rissiger Haut oder Lippenbläschen eingesetzt, wobei die antiseptischen, entzündungshemmenden und zusammenziehenden Eigenschaften der Rose im Vordergrund stehen.

In der Aromatherapie wird die Rose wegen ihrer entkrampfenden und entspannenden Kraft bei nervös bedingten Muskelverspannungen, Schlafstörungen und zur Stimmungsaufhellung bei Depressionen verwendet.

Wissenswertes

Das Wort Rose stammt vermutlich vom indogermanischen vrod oder vrad ab, dessen Bedeutung im Sanskrit als vrad = zart erhalten ist. Wie sehr die Rose schon immer die Menschheit begleitet hat, spricht aus der Tatsache, dass sie in allen Sprachen dieser Welt vorkommt, nur in der Sprache der Eskimos fehlt sie. Schon sehr früh wurde sie zum Symbol für Liebe, Schönheit, Anmut und in Griechenland auch für heitere Lebensfreude. Dieses wundersame, in sich ruhende Wesen schien so unirdisch, dass die Rose in vielen Kulturen als Geschenk der Götter galt, in manchen gar als Blüte göttlichen Blutes, vor allem von Göttern der Liebe und Fruchtbarkeit. Der gefallene Engel Luzifer hingegen soll sich die Kletterrose erschaffen haben, um auf dornigem Weg bequem wieder in den Himmel steigen zu können.

Unzählige weitere Geschichten liessen sich über die Rose erzählen: von Kleopatra, die das Segel ihres Schiffes mit Rosenwasser getränkt haben soll, den Römern, die, wie sonst niemand vor oder nach ihnen, die Rose in den Mittelpunkt ihres alltäglichen Lebens stellten: Kränze frischer Rosen, die man als normalen Schmuck um den Hals trug, Rosarien sowie über und über mit Rosen geschmückte Feste waren Ausdruck einer beinahe dekadent zu nennenden Hinwendung zur Rose.

Doch die Rose war nicht nur Symbol für Liebe und Erotik. Sub rosa dictum: Das unter der Rose Gesagte war stehendes Wort der Geheimbünde wie Rosenkreuzer und Freimaurer, die sich die weisse Rose zu ihrem Symbol erkoren und sie als Stuckrose über dem Tisch hängen hatten. Unter der Rose Gesprochenes galt als absolut vertraulich. Und die Alchimisten sahen in der Rose die Blume der Weisheit und das Bild des klaren Geistes.

Romanische und gotische Baumeister und Steinmetze entdeckten die Rose für ihre Bauwerke: Ihre Geometrie fand sich in Fenstern, steinerne Rosen krönten die Kirchtürme als Zeichen dafür, dass sich das menschliche Leben erst im Jenseits wirklich entfaltet.

Die Rose als Zeichen der Muttergöttin und von Jesus findet sich wieder bei Maria, die so oft als Maria mit dem Kinde im Rosenhag dargestellt wurde. Auch die ersten Rosenkränze sollen tatsächlich aus Rosen gefertigt gewesen sein.

Ihr Hochzeit als Heilpflanze erlebte die Apotheker-Rose (Rosa gallica) im 13. Jahrhundert in Provins unweit von Paris, wohin sie aus Damaskus gelangte. Fast 600 Jahre lang war Provins das Zentrum der Apotheker-Rosen-Kultur, sodass die Hauptstrasse des Ortes im 16. Jahrhundert eine grosse Ansammlung von Drogerien und Apotheken war. In die ganze Welt wurden von dort Arzneimittel aus Rosen verschickt.

Kindern wurden übrigens früher Rosengallen unter das Kopfkissen gelegt, damit sie besser schliefen. Daher werden sie auch Schlafäpfel genannt.

Die Pflanze anders betrachtet

Was verbinden wir mit der Rose? Sie ist kräftig, aber auch weich; wehrhaft, doch zart; dornig und gleichzeitig samtig; aufrecht und doch verlockend. Solche gegensätzlichen Eigenarten in sich zu vereinen, ohne sie zu vermischen, sie nebeneinander zu ertragen und zu beherrschen und dabei auch noch in ihrer Erscheinung die reinste Schönheit und Harmonie widerzuspiegeln, das kann nur eine Königin wie die Rose. Sie ist die harmonische Mitte des Pflanzenreiches, Ausdruck höchster Harmonie und darin Königin, nicht nur der Rosengewächse, sondern aller Blumen. Und das ist es, was die Rose zum Spiegelbild des Menschen macht, was den Menschen schon immer zur Rose hingezogen haben mag, so dass sie die menschlichen Kulturen seit ewigen Zeiten begleitet hat, ihre Lieder und Mythen durchzog, ihnen Medizin und Poesie war. Die Kunst, ihr harmonisches Gleichgewicht zu finden, teilt sie als Heilpflanze dem Menschen mit.

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