Dr. Hauschka

Beschreibung

Er liebt es sumpfig. Mit einem bis zu drei Zentimeter dicken, horizontalen Wurzelstock, aus dem zahlreiche mähnengleiche Faserwurzeln nach unten wachsen, verankert sich der Kalmus im wässrigen Untergrund, besonders gerne im Uferbereich. Der mehrjährige, aromatische Wurzelstock treibt schwertförmige, bis zu einem Meter lange Blätter, die ein wenig an derbes Gras oder Iris erinnern. Ihre an manchen Stellen stark gewellte Kante ist ein typisches Erkennungszeichen für Kalmus. Unter diesen frisch grünen Blättern fällt der Blütenstand erst auf, wenn aus seiner Seite im Juni oder Juli der Blühkolben hervorbricht. Wer wahrnehmen möchte, dass er dicht an dicht von Blüten übersät ist, muss schon genau hinschauen. Die nicht einmal einen Millimeter langen Blütenblätter gehen mit ihrer grüngelben Farbe auf dem grünen Blütenboden fast unter. Die reifen roten Beeren bildet der Kalmus in unseren Breiten nicht aus, dazu fehlt ihm die Wärme seiner südasiatischen Heimat. Dafür ist es ein Einfaches, neue Pflanzen vegetativ aus abgetrennten Wurzelstücken zu ziehen.

Verwendung

Die aromatischen und bitterstoffreichen Wurzelauszüge des Kalmus helfen bei Magen-, Darm- und Gallebeschwerden und tonisieren insgesamt die Verdauung. Besonders bei Magen-Darm-Beschwerden mit psychischer Ursache, bei empfindlichem Magen, Appetitlosigkeit oder Völlegefühl ohne organisches Leiden lindert eine Kur mit Kalmustee die Symptome.

Wissenswertes

Der wissenschaftliche Name Acorus calamus lässt sich nur zur Hälfte erklären. Das lateinische Wort calamus bedeutet Pfahl- oder Schilfrohr und beschreibt die Gestalt des Kalamus. Über die Bedeutung des Wortes Acorus indes herrscht Uneinigkeit. Möglicherweise leitet es sich vom griechischen koreon = Pupille ab und passt zur Empfehlung des griechischen Arztes Dioscurides (1. Jh.), der den Kalmus bei Entzündungen des Auges einsetzte. Andere sehen in Acorus die Verneinung von griechisch koros = Sättigung, was auf die appetitanregende Wirkung unserer Heilpflanze hindeuten würde.
Die hervorragende Heilwirkung und Würzkraft des Kalmus schätzten die Inder bereits vor 3.000 Jahren und nahmen ihn deshalb in ihre Yajur Veda auf, einem Abschnitt ihrer heiligen Wissenssammlung. Erst im 16. Jahrhundert, etwa 1560, brachte der italienische Arzt und Botaniker Petrus Andreas Matthiolus (1501-1577) die wasserliebende Pflanze von einer Reise nach Konstantinopel mit nach Europa, wo sie schnell Beachtung und Verbreitung fand. Im Portfolio der Einsatzbereiche fanden sich richtigerweise Verdauungsbeschwerden, aber auch gegen Husten, Fieber oder Schwindsucht und als Aphrodisiakum setzte man ihn ein. Die Emsländer steckten sich Kalmuswurzel in den Mund, um sich vor Ansteckung zu schützen. Und die Gläubigen in katholischen Gegenden Süddeutschlands streuten den Weg der Fronleichnamsprozession mit Kalmusblättern aus.

Für die Pommern galt übrigens jener Branntweinauszug von Kalmus am Wirksamsten, den sie mit an Johanni zwischen 11 und 12 Uhr geernteter Wurzel ansetzten.
Ätherisches Kalmusöl ergänzt Liköre und Parfums, kandiert schmeckt die Wurzel wie Ingwer, weshalb der Kalmus auch unter dem Namen Deutscher Ingwer bekannt ist.

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