Dr. Hauschka

Fichte

Synonyme: Rottanne, Edeltanne
Wissenschaftlicher Name: Picea abies L.
Familie: Nadelholzgewächse (Coniferae)

Heimat

Im äussersten Norden und Süden umspannen ausgedehnte Nadelwaldgürtel grosse Gebiete der Erde. Es stehen sich die Koniferengebiete von Kanada, Skandinavien, Russland, Sibirien, Alaska im Norden und die von Chile, Tasmanien und Neuseeland im Süden gegenüber

Inhaltsstoffe

Für arzneiliche Zwecke sind besonders die ätherischen Öle, die Harze und das Vitamin C von Bedeutung.

Beschreibung

Die Fichte wächst an fast allen waldfähigen Standorten und ist daher weit verbreitet. Durch den Mensch beeinflusst und wegen ihrer Schnellwüchsigkeit und Anspruchslosigkeit findet man sie in der Schweiz auch in tieferen Lagen. Heute findet man sie häufig in den Alpen, Voralpen und im westlichen Jura. Im subalpinen Raum wurde sie in den vergangenen Jahrhunderten durch Kahlschläge verdrängt und auf natürliche Weise durch die Lärche ersetzt. Was wir im europäischen Raum von der Fichte oftmals kennen, sind eintönige bedrückende Fichtenforste mit engstehenden "Fichtenstangen". Der Boden unter dichtstehenden Fichten ist meist kaum bewachsen. Die ständig herabfallenden Nadeln verrotten nur sehr langsam und säuern den Boden stark an. Zusammen mit dem unter den Bäumen herrschenden Lichtmangel sind diese Lebensbedingungen für die meisten anderen Pflanzen ungeeignet. Auch gegen Umwelteinflüsse ist eine solche Monokultur empfindlich. Bei einem starken Sturm bieten die flachwurzelnden Bäume dem Wind kaum Widerstand und stürzen reihenweise um. 

Die mächtigen Baumriesen verströmen einen harzigen weihrauchähnlichen Duft und vermitteln mit ihren imposanten Kronen den Eindruck eines gewaltigen Domgewölbes, zwischen das die Sonne ihre Strahlen auf den Boden schickt. An ihren natürlichen Standorten im Mittel- und Hochgebirge wachsen die Fichten zu diesen majestätischen Bäumen heran und können bis zu 50 Meter hoch werden. Eindrucksvoll stehen sie mit ihren weitausladenden Ästen, an denen lange Bartflechten hängen, da.

Verwendung

In ihrer Verwendung ist die Fichte der Tanne sehr ähnlich. Das Terpentin (Harz) der beiden ist Bestandteil vieler Salben und Öle, die den Schmerz bei Muskelverspannungen, stumpfen Verletzungen, Rheuma, Gicht und an Gliedern lindern. Die bekannteste Anwendung ist die Einreibung mit Fichtennadel-Franzbranntwein. Bei Sportlern oder bettlägerigen Patienten ist seine erfrischende, durchblutungsfördernde und juckreizstillende Wirkung gleichermassen geschätzt. Einreibungen von Rücken und Brust mit ätherischen Ölen oder auch Harzen bringen Linderung bei Erkältungen. Die harzartig duftenden Bäder aus Fichten- oder Tannenzweigen wirken durchblutungsfördernd sowie schleim- und hustenlösend. Auch Hustensäfte, Hustenbonbons, Honig und Marmeladen werden aus den jungen Trieben hergestellt. In der Volksmedizin wurden neben Husten auch Hautrisse, Geschwulste und Furunkel mit Zubereitungen aus der Fichte behandelt.

Wissenswertes

Die Fichte wurde einst als Schutzbaum verehrt, sie symbolisierte das schützende weibliche Element und war ein Lebens- und Mutterbaum. Für die Tradition des Maibaums wurden deshalb neben den Birken auch Fichten verwendet.Im Schiffsbau lieferte die Fichte die längsten und besten Schiffsmasten. Diese Verwendung verschaffte ihr bei den alten Griechen einen etwas ungewöhnlichen Schutzgott. Sie war dem Meeresgott Poseidon geweiht und sollte als Dank für diese Weihung die Schiffe vor Sturm beschützen.

Das Holz der Bergfichten im Mittel- und Hochgebirge ist im Vergleich zu den schnellwachsenden Plantagenbäumen viel fester und haltbarer. Dies wussten auch die Geigenbauer, die es als Klangholz für ihre Instrumente sehr schätzten. So berühmte Männer wie Stradivari, Amati und Bergonzi suchten oft wochenlang in den Bergen, bis sie den richtigen Baum gefunden hatten. Um die langsam gewachsenen Fichten herauszufinden, lauschten sie an den alten Stämmen und beklopften deren Stammholz.

Die Pflanze anders betrachtet

Die Verbindung der Nadelbaumgewächse mit dem Wärmewesen findet ihren Ausdruck in der charakteristischen Bildung ätherischer Öle und balsamischer Harze, die vor allem die Nadeln durchdringen. Da bei der Familie der Nadelbaumgewächse die Wärmewirkung besonders betont ist, kann man von einer "Wärmepflanzenfamilie" sprechen. Weitere "Wärmepflanzenfamilien" sind die Lippenblütler mit der Pfefferminze und die Rautengewächse, zu denen auch die Orange zählt. Die Rautengewächse verbinden sich mit den tropischen Wärmeprozessen, die Lippenblütler mit denen der gemässigten Zone und die Koniferen mit solchen der kalten Klimate. Selbst in dem kühlen Klima des hohen Nordens mit seinen "weissen Nächten", seiner Mitternachtssonne und den Sommern mit ihrer übermässigen Lichtfülle, ziehen die Nadelholzgewächse die kosmischen Wärmekräfte so stark in ihren Organismus hinein, dass es zur Bildung ätherischer Öle und Harze kommt. Die unterschiedlichen Aromen von zum Beispiel Pfefferminze, Orange oder Latschenkiefer sind Ausdruck der besonderen Wärmequalität ihrer "Wärmepflanzenfamilie".

Die ätherischen Öle der verschiedenen Nadelholzgewächse haben einen sehr speziellen Bezug zum menschlichen Organismus. So wirkt die Fichte auf die Atmungsorgane, der Wacholder dagegen auf die Nieren.

♦♦♦♦